(Sieben Wochen ohne - Folge 5)
Selbstverständlich gibt es auch in diesem Jahr wieder Menschen, die mich mit Süssis verführen oder zu einem Glas Wein überreden wollen (mehr über diese Spezies von Menschen bei Gelegenheit). Die große Mehrheit aber verfällt in große Bewunderung ob meiner Konsequenz, meines unbändigen Willens und meiner Abstinenz.
Gerade der Hochadel weiß was bedeutet, einen schönen Abend preußisch diszipliniert mit Apfelsaftschorle und einer Butterbrezel über die Bühne zu bringen. "Das ist ja großartig", schwärmt Baronin von Berlichingen, als ich nach einer Lesung ihres Mannes Roman Herzog einen Württemberger Riesling verweigere und auf die Fastenzeit verweise. Damit ich nicht in jeder Sekunde an Wein denken muss (neben und vor mir wird kräftig genippt), verwickelte mich die Baronin aus dem Hohenlohischen in ein Gespräch über alte Schreibmaschinen. So ist das halt mit dem Fasten - man kann sich aufs das Wesentliche konzentrieren.
Auch Erwin Staudt ist ein netter Mensch. Der VfB-Präsident hätte nach der Rückkehr vom grandiosen 5:1 des VfB in Köln jeden aus dem "Hegel Eins" (ein wunderbares Restaurant im Stuttgarter Lindenmuseum) werfen können, der diesen Sieg mit Mineralwasser und Bionade (Ingwer-Orange) verwässern wollte. Doch Staudt gab sich generös, setzte sich ostentativ zwischen mich und unseren Geburtstags-Gastgeber Axel H. (der auch keinen Alkohol trinkt), und orderte eine Viertele vom Weingut Aldinger (später noch eins, oder zwei?).
Am Ende des Abends gab es wenigstens noch ein bisschen Trost vom Ex-IBM-Chef mit auf den Weg: "Jürgen, Deine Zeit kommt auch wieder". Sprachs, klopfte mir auf die Schulter und machte sich als Sieger des Tages auf den Heimweg nach Leonberg.(Gefahren ist übrigens sein Bruder)
P.S. Vicky will jetzt auch bloggen. Mach et, Otze.
Sonntag, 21. Februar 2010
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